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Foto Iris11

Mein Persönliches über die Praxis des Yoga


Der Atem und das tradierte Wissen der Asanas über deren Wirkungsweise - stimulierend, kräftigend, lösend, harmonisierend auf Körpersysteme - sind nach wie vor meine Basis der Praxis im Yoga. Aber immer mehr wird das Üben zu einem wachen Spiel der Aufmerksamkeit "zu finden".


Nicht die Idee oder das Konzept der vollendeten fertigen Position ist wichtig, sondern das Entfalten von Augenblick zu Augenblick. Zeigen sich mir Spannungen, entdecke ich sie zu lösen. Zeigen sich mir Widerstände oder Schmerzen, entdecke ich wie ich sie annehmen oder anders oder erneut "durchwandern" kann. Zeigen sich mir Lust und Freude Kraftvolles auszuprobieren, folge ich diesem Impuls.


Das Endbild des Asanas ist immer da, bleibt im Ausgerichtetsein darauf vorhanden, aber wie "meine individuelle" Position tasächlich aussieht, wird unwesentlich. Wie das innere logische vollständige Verbinden von Körperzusammenhängen für mich stimmig ist, erfolgt im erfüllten Erleben. Ich folge mehr und mehr meiner inneren Körperintelligenz, die mir zeigt, wo`s lang-geht, wo das Entfalten tiefe Befriedigung oder Herausforderung findet, wo im Verweilen alte verborgene Themen oder Erlebnisse (körperlicher oder emotionaler Art) auftauchen wollen, wo sich in mir Bedürfigkeiten zeigen und ich sie zulasse.


Wie ich neue und andere erfülltere Lösungen finde, als ausschließlich dem "Ziel" zu folgen. So wird meine Yogapraxis zu einem Schälen. Schicht um Schicht. Bis ich zu meinem innersten Kern - dem CORE - vorzudringen vermag. Das kann die knöcherne Wirbelsäule sein, in ihrer freien Beweglichkeit, das kann das energetische Feld darum ("Mittellinie" aus der Craniosacralen Therapie sein), das können tiefe "innere Haltungen" sein, das kann Friede und innere Schönheit sein.


Es zeigt sich mir dann wunderbare Vitalität, elastische fließende Kraft und Leichtigkeit in meinem Bewegen, in meinem Denken und in meinem Empfinden. So ist mir die Praxis des Yoga zu einer Metapher, einem Mikrkosmos oder einem Spiegel meines täglichen profanen Alltags, meiner inneren Haltung geworden. In dieser wunderbaren Ruhe und ganzheitliche Wachheit nach dem Yoga kann ich den Anforderungen des Täglichen gelassener und kompetenter begegnen und mein in-Beziehungsein als authentisch erfahren.


Der Atem ist mir ein kostbarer Begleiter geworden. In seiner immerwährenden Kontinuität, der Woge des Ein- und Ausatmens, öffnet er mir Regionen, die mit meinem Willen unerreicht oder meinem Bewusstsein verschlossen bleiben. Mit jener hartnäckig formenden Kraft mit der sich ein Fluss sein Mäander durch Felsenlandschaften gestaltet, findet der Atem seinen Weg öffnend durch "dichte Körperregionen" aus dieser formenden Kraft heraus. Und seine energetisierende Wirkung (Pranayama) belebt mein körperliches und geistiges Energiepotenzial.


Mehr und mehr wird mein Üben zu einer Praxis des "Nicht-Agierens". Zu einem rhythmischen Wechsel zwischen tastender Aufrichtung und Kontakt mit dem Boden, wobei sich überflüssige aufwendige Spannung auflösen kann und neugierige Lebendigkeit hervorquillt und angenehme Gelassenheit in mir ruht. Tief Befriedigendes, Momente des Glücks unabhängig vom "Ausmaß" der Position werden mir geschenkt. Immer und immer wieder darf ich unsere Vollkommenheit und innere Schönheit erkennen und anerkennen. Weil sie unabdingbar vorhanden ist.


Dankbar bin ich meinen LehrerInnen auf diesem Weg. (Angela Farmer & Victor van Koyten, Diane Long, Sophy Hoare, Anastasia Stoyannides, Claudia Hitzenberger,...). Sie alle hatten ursprünglich bei "großen" Lehrern gelernt. (Iyengar, Vanda Scaravelli) Verletzungen und Lebensumstände haben sie auf die Suche nach ihrem Eigenen gemacht.

Die Qualität und Kreativität ihres Unterrichts waren ein Teil meines Lernens, aber ihre oft unkonventionelle sprühende Lebensweise und ihre wunderbare Ausstrahlung, besonders im hohen Alter haben den Mut und die Leidenschaft in mir geweckt, diese gehaltvolle Erfahrung weiterzugeben.